Donnerstag, 17. Dezember 2015

Rezension - Ich und Earl und das Mädchen

Autor: Jesse Andrews
Titel: Ich und Earl und das Mädchen
OT: Me and Earl and the dying girl
Erschienen: 09. November 2015
Kaufen:
Heyne Verlag / Amazon  
Inhalt:
Greg ist siebzehn und hält sich am liebsten aus allem raus. Soziale Kontakte vermeidet er, wo immer es geht. Stattdessen dreht er mit seinem einzigen und ziemlich verpeilten Kumpel Earl verrückte Versionen von Filmklassikern. Bis seine Mutter ihn mehr oder weniger dazu zwingt, Zeit mit der unheilbar kranken Rachel zu verbringen. Greg ist alles andere als begeistert. Doch dann stellen er und Rachel überrascht – nahezu geschockt! – fest, dass sie einander wirklich mögen. Gregs ganzes Weltbild ändert sich. Doch den beiden läuft die Zeit davon...

Cover: 
Die Buchgestaltung ist meiner Meinung nach nicht so aufdringlich wie manch andere, die für "Buch zum Film" gewählt wurden und passt auch wirklich gut zur Geschichte.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist wirklich etwas Besonderes. Wer hier reinen Text erwartet wird enttäuscht sein, denn Andrews hat viele verschiedene Sprachelemente wie z.B. Auflistungen, Dialoge wie bei einem Theaterstück eingebaut. Dies stört jedoch den Lesefluss keinesfalls und macht das Buch zu etwas Besonderem. An dieser Stelle muss aber auch muss erwähnt werden, dass die Sprachwahl mehr als vulgär ist, Andrews hat sich offensichtlich Mühe dabei gegeben so zu schreiben wie es von Jugendlichen der Zeit nun Mal erwartet wird. Vor allem Gregs Freund, Earl, drückt sich sehr pervers aus. Insgesamt liest sich das Buch mehr wie ein Tagebuch als ein gewöhnlicher Roman.

Personen:
Von der ersten Seite an ist, für mich, klar, dass Greg nicht so ganz weiß wer er eigentlich ist. Er fühlt sich keiner der Gruppen zugehörig und will dies auch nicht sein. Er schweift hin und her und möchte mit niemandem so richtig Freundschaft schließen, für mich ist das ein Zeichen dafür, dass Greg einfach keine Ahnung davon hat wer er ist bzw. wer/wie er sein will. Müsste ich ihn kurz und bündig beschreiben wäre wohl "komischer Kauz" die perfekte Wortwahl.

Earl ist ein unglaublich witziger Charakter, welchen ich höchstwahrscheinlich im echten Leben um alle Kosten vermeiden würde. Eine Freundschaft mit ihm wäre mir einfach zu anstrengend.

Rachel scheint zwar eine Hauptperson des Romans zu sein, immerhin ist sie "das Mädchen", dennoch kommt ihr und ihrer Krankheit ziemlich wenig Bedeutung zu, zumindest nicht so viel wie ich nach Lesen des Titels und Inhaltsangabe erwartet hätte.

Meinung:
Wer eine herzzerreißende Geschichte erwartet ist hier (leider) fehl am Platz, das Buch wirkt mehr wie eine Art der ironischen Selbstfindung und den Versuch ein krebskrankes Mädchen mit einem (im Endeffekt schlechten) Film aufzuheitern, obwohl diese Beschreibung auch nicht zu 100% zutreffend für die Geschichte ist. Ich persönlich finde es jedoch gut
, dass Andrews auf Herzschmerz verzichtet hat, er warnt sogar am Anfang des Buches den Leser vor, dass es sich hierbei nicht um eine herzergreifende von Zitaten strömende Geschichte handelt. Er hat sein Wort gehalten! Wie gesagt ich finde es gut, dass das Buch nicht zu einem Trauerfest wurde und das Andrews den Leser nicht dazu zwingt Mitleid mit Rachel zu haben. 

Teilweise ist das Buch sehr chaotisch geschrieben, es gibt immer wieder Einwürfe, Anmerkungen und Erzählungen, die mit dem Verlauf der Geschichte recht wenig zu tun haben. Das ernste Thema, die Krebserkrankungen eines jungen Mädchen, wird auf eine sehr makabere Weise dargestellt, was leicht übertrieben wirken kann. Wäre eine meiner Schulkoleginnen an Krebs erkrankt hätte ich auf keine Weise wie Greg reagiert. Ich bin aber auch eine sehr emotionale  Person und hätte auf der Stelle zu weinen angefangen.
Der Roman ist sehr schnell fertig gelesen was vor allem daher kommt, dass es sich, wie bereits erwähnt, nicht um reinen Text handelt. Durch den Aufbau der Dialoge fliegt man regelrecht durch den Roman.

Fazit:
Alles in allem war das Buch weder das Beste noch das Schlechteste das ich je gelesen habe. Hat es meine Erwartungen erfüllt? Nein. Ist es deswegen schlecht? Nein. Andrews hat das Thema aufgefasst und auf eine neue Art und Weise dargestellt. Für viele wird das Buch grottenschlecht sein, vielen wird es eben genau durch diese ironisch komische Art und Weise gefallen.
Ich persönlich bin froh es gelesen zu haben, es handelt sich zwar nicht um ein literarisches Meisterwerk, aber ich denke nicht, dass dies der Anspruch des Autors war.

4 von 5 Sternen! 


Vielen Dank an den Heyne Verlag, welcher mir das Buch zur Verfügung gestellt hat!